VBZV-Newsletter 30/2026


I. Medienpolitik

Anthropic plant Wasserzeichen für Claude-Texte

Anthropic plant, von Claude erzeugte Inhalte künftig maschinenlesbar zu kennzeichnen. Damit will das Unternehmen Verpflichtungen aus dem EU AI Act Article 50(2) Code of Practice on Transparency of AI-Generated Content umsetzen. Künftige Claude-Modelle sollen generierte Texte mit einem unsichtbaren Wasserzeichen versehen. Bei unterstützten Dateien sind digital signierte Herkunftsmetadaten vorgesehen.

Claude-Modelle, die in der EU zukünftig starten, sollen die Kennzeichnung bereits bei ihrer Veröffentlichung unterstützen. Für zuvor veröffentlichte Modelle gilt eine Übergangsfrist. Anthropic arbeitet nach eigenen Angaben daran, auch diese Modelle mit der Technik auszustatten. Die Einführung soll in den kommenden Monaten erfolgen.

Das für Texte vorgesehene Verfahren basiert auf einer Variante des von Google Deep-Mind entwickelten SynthID-Text-Ansatzes. Dabei werden keine sichtbaren Hinweise oder versteckten Zeichen in den Text eingefügt. Stattdessen entsteht während der Textgenerierung ein statistisches Muster in der Wortauswahl, das mit einem entsprechenden Schlüssel erkannt werden kann. Anthropic plant zudem eine Schnittstelle, mit der sich solche Wasserzeichen künftig erkennen lassen.

Bei unterstützten Dateitypen wie .svg, .png oder .jpg will Anthropic signierte Herkunftsmetadaten nach dem offenen Standard der Coalition for Content Provenance and Authenticity (C2PA) verwenden. Anthropic weist zugleich auf Grenzen der Technik hin. Ein erkanntes Wasserzeichen könne lediglich darauf hindeuten, dass Claude an einem Text beteiligt war. Umgekehrt schließe ein fehlendes Wasserzeichen eine Bearbeitung oder Erzeugung durch Claude nicht aus.

(Quelle: bdzv.de, 25.08.2026)

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II. Vermarktung

OpenAI startet Werbung in ChatGPT in Europa

OpenAI hat sein Werbegeschäft mit ChatGPT auf Europa ausgeweitet. Seit dem 24. August 2026 ist ChatGPT Ads in 31 europäischen Märkten verfügbar, darunter Deutschland, Österreich, Frankreich, Spanien, Italien, die Niederlande sowie mehrere skandinavische Länder. 

Die Anzeigen werden nach Angaben von OpenAI klar gekennzeichnet und optisch von den eigentlichen ChatGPT-Antworten getrennt. Sie erscheinen in der Regel am Ende von Antworten und sollen Nutzerinnen und Nutzer in Situationen erreichen, in denen sie recherchieren, vergleichen oder Entscheidungen vorbereiten. OpenAI betont, dass Werbetreibende keinen Zugriff auf Chatverläufe erhalten und keine Informationen aus Unterhaltungen an Werbekunden weitergegeben werden.

Werbung wird zunächst nur in den Tarifen Free und Go ausgespielt. Die kostenpflichtigen Angebote Plus, Pro, Business, Enterprise und Edu bleiben werbefrei; auch minderjährige Nutzerinnen und Nutzer sollen keine Anzeigen sehen. Im Europäischen Wirtschaftsraum und in der Schweiz sind personalisierte Anzeigen zunächst nicht vorgesehen. Stattdessen setzt OpenAI nach eigenen Angaben auf kon-textbezogene Werbung ohne profilbasierte Aussteuerung.

ChatGPT Ads unterstützt Abrechnungsmodelle auf Basis von Tausenderkontaktpreis (CPM) und Kosten pro Klick (CPC). Werbetreibende können das Ziel „Reichweite“ wählen, um die Zahl der Impressionen zu optimieren und pro 1.000 Impressionen zu zahlen. Alternativ können sie mit dem Ziel „Klicks“ die Zahl der Klicks optimieren und pro gültigem Klick zahlen.

Werbetreibende legen auf Anzeigengruppenebene ein Höchstgebot fest: ein maximales CPM-Gebot für Reichweitenkampagnen oder ein maximales CPC-Gebot für Klickkampagnen. Für CPC-Kampagnen empfehlen wir zu Beginn ein Höchstgebot von 3–5 USD pro Klick. Der Ads Manager kann zudem Hinweise zur Gebotsstärke geben. Sie zeigen an, ob ein Gebot voraussichtlich wettbewerbsfähig ist oder die Auslieferung einschränken könnte.

Um Conversions aus ChatGPT Ads zu messen, können Werbetreibende im Ads Manager Beta Conversion-Messung einrichten. Das Reporting umfasst derzeit Impressionen, Klicks, Ausgaben, Klickrate (CTR), durchschnittlichen CPC, durchschnittlichen CPM und Conversions. Werbetreibende können außerdem Traffic aus ChatGPT Ads erfassen, indem sie statische Tracking-Parameter (z. B. UTM-Parameter) zu Landingpage-URLs hinzufügen. Diese Parameter bleiben bei Anzeigenklicks erhalten und können in bestehenden Analysetools genutzt werden, um Traffic aus ChatGPT Ads besser zu verstehen.

Ein Self-Service Ads Manager soll noch in diesem Quartal auch für Europa freige-schaltet werden; in einzelnen außereuropäischen Märkten ist er bereits verfügbar.

(Quelle: https://help.openai.com/de-de/articles/20001207-ads-in-chatgpt-the-basics; bdzv.de, 25.08.2026)

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III. Vertrieb

Grosso-Reform: Kartellklage zurückgezogen

Im Streit um die von mehreren Großverlagen angestrebte Reform des Pressevertriebs hat die Seite der Presse-Großhändler ihre Klage im Hauptsacheverfahren vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf zurückgezogen. Nach Informationen des Evangelischen Pressedienstes aus dem Siegburger Kreis, in dem sich die sechs von Kündigungen durch die Verlagsallianz „Fit for Future“ betroffenen Grossisten zusammengeschlossen haben, richtete sich die Untätigkeitsbeschwerde gegen eine Entscheidung des Bundeskartellamts vom Februar, mit der die Behörde das Reformvorhaben der Verlage geduldet hatte.

Das OLG hatte bereits Ende Juli einen Eilantrag der sechs Presse-Großhändler gegen das Bundeskartellamt abgewiesen. Die Grossisten wollten die Behörde im Wege des einstweiligen Rechtsschutzes verpflichten, die von der FFF-Verlagsallianz vorangetriebenen Reformpläne zu stoppen. Nach Auffassung des Gerichts müssen die Grossisten vorrangig zivilrechtlich gegen die Verlage vorgehen.

Einige Grossisten haben diesen Weg bereits eingeschlagen. Erstinstanzliche Eilverfahren gegen die Vertragskündigungen durch Verlage wurden bislang mehrheitlich zugunsten der Verlagsseite entschieden.

Hinter der Reform stehen unter anderem die FFF-Verlage Burda, Bauer und Springer. Sie wollen über die im Juli gegründete Presse-Grosso-Allianz die bislang regional als Vertriebsmonopolisten tätigen Grossisten ersetzen. Größte Gesellschafter der neuen Allianz sind eine Verlagsholding und eine Systempartnerholding. Die FFF-Allianz begründet das Vorhaben mit dem Ziel, angesichts rückläufiger gedruckter Auflagen einen wirtschaftlich tragfähigen Vertrieb sicherzustellen.

Der Gesamtverband Pressegroßhandel verwies nach der Eilentscheidung darauf, dass der zuständige Senat des OLG Düsseldorf die Duldungsentscheidung des Bundeskartellamts nicht als bindend für die Zivilgerichte bewertet habe. Damit rückt für die Grossisten der zivilrechtliche Weg stärker in den Mittelpunkt.

Parallel verfolgen die Grossisten nach epd-Informationen weiter eine gemeinsame Klage vor dem Landgericht Hamburg, die auf exklusive Weiterbelieferung durch die FFF-Allianz gerichtet ist. Der Zeitdruck bleibt hoch: Die Kündigungen durch die Verlagsseite werden zwischen Ende Februar und Dezember 2027 wirksam.

(Quelle: medien.epd.de, 26.08.2026)

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IV. Tarifpolitik

Druckindustrie: ver.di lehnt Arbeitgeberangebot ab 
GTV Angestellte Zeitungsverlage: Nächste Verhandlungsrunde am 09. September

Bei den Tarifverhandlungen für die rund 95.000 Beschäftigten der deutschen Druckindustrie hat die Gewerkschaft ver.di am 25. August 2026 einen Einigungsvorschlag des Bundesverbandes Druck und Medien e. V. (BVDM) abgelehnt.

Der BVDM verfolgt das Ziel, einen für die Unternehmen tragbaren Tarifabschluss zu erreichen und hat ver.di einen Vorschlag für eine Einigung gemacht. Das Arbeitgeberangebot sieht zwei lineare Lohnerhöhungen vor: um 1,6 Prozent zum 1. Januar 2027 und um 0,9 Prozent zum 1. Januar 2028 bei einer Laufzeit von 24 Monaten.

Die Verhandlungen wurden auf den 7. September 2026 in Hamburg vertagt.

Für die Angestellten und die gewerblichen Arbeitnehmer im Zeitungsverlagsgewerbe in Bayern findet die nächste Verhandlungsrunde zwischen Ver.di und der Tarifkommission des VBZV am 9. September statt. Die Forderung von verdi nach einer 7 %-Erhöhung bei einer Laufzeit von nur 12 Monaten ist aus Sicht der Verleger wirtschaftlich nicht umsetzbar. Ein Zwischengespräch, das am 10. August 2026 stattfand, brachte keine neuen Ansatzpunkte für eine Annäherung.

(Quelle: VDMB, PM 25.08.2026; VBZV, RS 09.07.2026)

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