VBZV-Newsletter 26/2026
- Studie zu Newsquellen in LLMs
- Bavarian Data Summit 2026: Echtzeitdaten und KI für Produktion und Mobilität
- JmS baut Bildungsportal auf
- „Deutschland spricht“: Medienpartner laden zu kontroversen Gesprächen ein
- Koalitionsfreiheit und Tarifautonomie sind unverrückbare Freiheitsrechte / Wirtschaftsverbände kritisieren „Nationalen Aktionsplan zur Förderung von Tarifverhandlungen“
- Aufruf zur Beteiligung an einer Umfrage: Wie gehen Lokalmedien mit Veranstaltungsdaten um?
I. Medienpolitik
Studie zu Newsquellen in LLMs
Eine blinq-Analyse von 250.000 KI-Antworten untersucht, welche Quellen Large Language Models (LLMs) wie ChatGPT, Google AI Overviews und Perplexity zitieren. Grundlage waren tägliche Abfragen im Zeitraum vom 1. Januar bis zum 30. Juni 2026. Ausgewertet wurden rund 2.000 Prompts aus dem B2B- und B2C-Bereich, unter anderem aus Tech und Software, Handel und E-Commerce, Finanz- und Ver-sicherungswesen, Marketing, PR und Kommunikation sowie Industrie und Fertigung.
Innerhalb des Newssegments, das allerdings nur 5,2 Prozent der genannten Quellen ausmacht, führt laut Untersuchung welt.de mit 17 Prozent als primäre Informationsquelle. Es folgen Handelsblatt mit 12,2 Prozent und Chip mit 8,9 Prozent. Dahinter nennt die Studie Focus mit 8,5 Prozent, Bild mit 8,4 Prozent, FAZ mit 8,2 Prozent, Wiwo mit 6,8 Prozent, Süddeutsche mit 6,6 Prozent, n-tv mit 6 Prozent, heise mit 5,9 Prozent, Spiegel mit 5,9 Prozent und T-online mit 5,7 Prozent.
Die Auswertung deutet darauf hin, dass einzelne News-Marken in LLM-Antworten sichtbar sind, es aber kein festes Ranking gibt. Welche Quelle zitiert werde, hänge stark von Branche, Fragestellung und Kontext ab, so die Analyse. Die insgesamt recht gleichmäßige Verteilung im News-Segment spreche dafür, dass redaktionelle Inhalte für KI-Antworten nicht nur über Reichweite, sondern auch über themati-sche Passung und Glaubwürdigkeit relevant werden.
Auch außerhalb des News-Segments nennt die Studie redaktionelle und externe Quellen als wichtige Bezugspunkte. Bei den häufig zitierten URLs liegen youtube.com mit 15,18 Prozent und reddit.com mit 14,55 Prozent vorn, gefolgt von wikipedia.org mit 9,05 Prozent und linkedin.com mit 7,12 Prozent. News-Seiten wie die Welt mit 6,69 Prozent und das Handelsblatt mit 4,98 Prozent erscheinen ebenfalls in der Gesamtauswertung.
Nach der Auswertung entfallen 66,2 Prozent der genutzten Quellen auf Corporate Content, darunter Blogs, Websites und Landing Pages. Die Fachpresse ist mit 7,4 Prozent vertreten, nutzergenerierte Inhalte mit 6,4 Prozent, Review-Seiten mit 5,4 Prozent, News mit 5,2 Prozent und Referenzquellen mit 4,9 Prozent. Die eigene Website werde damit stärker zur Datenbasis. Gleichzeitig glichen KI-Modelle diese Inhalte mit externen Quellen ab, etwa Drittquellen, Wikipedia oder Social Signals. Als besonders sichtbar nennt die Analyse Listicles, Reviews und redaktionelle Beiträge.
(Quelle: bdzv.de, 28.07.2026)
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II. Veranstaltung
Bavarian Data Summit 2026: Echtzeitdaten und KI für Produktion und Mobilität
Am 5. Oktober 2026 findet in München der Bavarian Data Summit statt. Die Veranstaltung von Bayern Innovativ bringt führende Vertreterinnen und Vertreter aus Industrie, Technologie, Forschung und Politik zusammen.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Echtzeitdaten und Künstliche Intelligenz zu belastbaren Entscheidungen beitragen und damit Wertschöpfung in Produktion und Mobilität neu gestalten können.
Das Programm verbindet strategische Impulse zu Führung, Dateninfrastruktur, KI-Anwendungen, Skalierung und digitaler Souveränität mit konkreten Use Cases aus Bayern – von der vernetzten Fabrik bis zu intelligenten Mobilitätssystemen. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Austausch zwischen Branchen: Der Summit zeigt, was Produktion und Mobilität voneinander lernen können und wie datengetriebene Anwendungen entlang der Wertschöpfungskette skaliert werden.
Neben Fachvorträgen und Sessions bietet die Veranstaltung Best-Practice-Beispiele aus Industrie und Forschung, Einblicke in aktuelle technologische Entwicklungen, Vernetzungsmöglichkeiten sowie einen Innovationsmarktplatz mit datengetriebenen Lösungen. Die Veranstaltung richtet sich unter anderem an Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Technologieanbieter, OEMs, Zulieferer und Mobility-Tech-Unternehmen.
Nähere Informationen unter https://www.bayern-innovativ.de/en/events-dates/
Auch für Medienhäuser kann der Summit Anknüpfungspunkte bieten – etwa mit Blick auf KI-gestützte Geschäftsmodelle, datenbasierte Produktentwicklung, Personalisierung, Automatisierung und Fragen digitaler Souveränität.
(Quelle: Bayern Innovativ, PM 24.07.2026)
III. Journalismus
JmS baut Bildungsportal auf
Das Bildungsnetzwerk „Journalismus macht Schule“ (JmS) baut ein bundesweites Portal für Nachrichten- und Informationskompetenz auf. Es soll journalistische Schulbesuche, Bildungsangebote und Unterrichtsmaterialien aus ganz Deutschland an einem Ort bündeln. Ziel ist eine zentrale digitale Infrastruktur, die Angebote des Netzwerks sichtbar macht, Interessierten einen Überblick über Angebote in ihrer Region gibt und die Buchung von Veranstaltungen über das Portal ermöglicht.
JmS ist das bundesweite Netzwerk für Informations- und Nachrichtenkompetenz. Gemeinsam mit Journalistinnen und Journalisten, Medienhäusern, Bildungsinstitutionen und zivilgesellschaftlichen Partnerorganisationen bringt das Netzwerk journalistische Expertise direkt in Schulen. Im Jahr 2025 erreichte JmS nach eigenen Angaben mit mehr als 2.500 Schulbesuchen rund 65.000 Schülerinnen und Schüler. Das Portal soll den Austausch und die Zusammenarbeit im Netzwerk erleichtern sowie Wissen, Erfahrungen und Ressourcen bündeln.
In den Jahren 2025/26 hat JmS mit einer digitalen Matching-Plattform für Schulbesuche durch Journalistinnen und Journalisten und einer bundesweiten Sammlung von Unterrichtsmaterialien die Grundlage für das Portal geschaffen. Phase 1, der Aufbau des Portals für Journalistinnen und Journalisten und des Matching-Prozesses, ist seit Februar 2026 abgeschlossen. Phase 2 umfasst die Materialien-sammlung, die fortlaufend aktualisiert wird. Phase 3 sieht bis August 2026 den Aufbau des Moduls für Angebote der Mitglieder und Partnerorganisationen vor. Dazu gehören Portal-Zugänge für die Veröffentlichung und Verwaltung eigener Angebote sowie Suchoptionen.
Unsere Verbandsmitglieder können das Portal kostenneutral nutzen und in Phase 3 eigene Angebote platzieren. Seit der Inbetriebnahme im Februar 2026 nutzen 356 Journalistinnen und Journalisten das Portal.
https://journalismus-macht-schule.org/
(Quelle: bdzv.de, 28.07.2028)
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„Deutschland spricht“: Medienpartner laden zu kontroversen Gesprächen ein
Die Medieninitiative „Deutschland spricht“ startet am 30. August 2026 in ihre neunte Runde. Kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt bringt Die Zeit gemeinsam mit einem breiten Mediennetzwerk aus Zeitungen und Zeitschriften erneut Menschen mit unterschiedlichen politischen Ansichten zu persönlichen Gesprächen zusammen. Die Anmeldung beginnt am 28. Juli.
Erstmals treffen sich die Teilnehmer nicht nur an individuell vereinbarten Orten, sondern auch an zentralen öffentlichen Plätzen. Dazu gehören die Hauptbahnhöfe in Berlin und Magdeburg, die Johanniskirche in Magdeburg, eine Straßenbahn in Bremen sowie Redaktionen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, des Spiegel, der Lausitzer Rundschau und der Märkischen Oderzeitung. Der Weser-Kurier lädt zu einer besonderen Straßenbahnfahrt durch Bremen ein, während die Frankfurter Allgemeine Zeitung erstmals Gespräche im F.A.Z. Tower organisiert.
Vor dem Gesprächstag beantworten die Teilnehmenden acht kontroverse Ja-Nein-Fragen zu politischen und gesellschaftlichen Themen. Anschließend werden sie mit einer Person aus derselben Region gematcht, die gegensätzliche Ansichten vertritt. Ziel ist es, unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen und den gesellschaftlichen Dialog zu fördern.
Zum Mediennetzwerk gehören neben der Wochenzeitung Die Zeit unter anderem die Frankfurter Allgemeine Zeitung, der Weser-Kurier, das Handelsblatt, die Mitteldeutsche Zeitung, die Volksstimme, die Lausitzer Rundschau, die Märkische Oderzeitung, Bild sowie der Spiegel und der MDR. Die Initiative wurde 2017 von Zeit Online gestartet. Aus ihr entstand die internationale Plattform „My Country Talks“, über die nach Angaben der Veranstalter inzwischen mehr als 100.000 Gespräche vermittelt wurden.
(Quelle: bdzv.de, 28.07.2026)
IV. Tarifpolitik
Koalitionsfreiheit und Tarifautonomie sind unverrückbare Freiheitsrechte
Wirtschaftsverbände kritisieren „Nationalen Aktionsplan zur Förderung von Tarifverhandlungen“
Das Bundeskabinett hat den Nationalen Aktionsplan zur Förderung von Tarifverhandlungen beschlossen. Die Bundesrepublik Deutschland ist im Rahmen der Durchführung der Richtlinie (EU) 2022/2041 über angemessene Mindestlöhne in der Europäischen Union (EU-Mindestlohn-Richtlinie) verpflichtet, einen solchen Aktionsplan zu erstellen und an die Europäische Kommission zu übersenden.
Die bayerischen Wirtschaftsverbände sehen den Aktionsplan kritisch. Er verkenne, dass Koalitionsfreiheit und Tarifautonomie Freiheitsrechte sind. In erster Linie seien die Tarifvertragsparteien selbst für die Attraktivität und Akzeptanz ihrer Tarifverträge zuständig. Wenn der Gesetzgeber Maßnahmen ergreifen möchte, um die Tarifbindung zu erhöhen, sei der verfolgte einseitige Ansatz der Stärkung der Ge-werkschaften und deren Rechte verfehlt.
Bertram Brossard, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie und der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, der auch unser Verband angehört, bemängelt, dass das Programm die Wirklichkeit der Verbreitung von Tarifverträgen in Deutschland unzureichend beschreibt. Der in der EU-Mindestlohnrichtlinie genannte Wert von 80 Prozent Tarifbindung sei willkürlich und ignoriert die unterschiedlichen Rahmenbedingungen, Systeme wirtschaftlicher Beziehungen und Modelle der Lohnfestsetzung in den Mitgliedstaaten. Zudem unterscheide sich das Ausmaß der Tarifbindung zwischen den Wirtschaftszweigen in der Bundesrepublik stark.
Inakzeptabel ist aus Sicht der Wirtschaft, dass die im Koalitionsvertrag vereinbarten Änderungen bei der Arbeitszeit als konkrete Maßnahme für Anreize zur Stärkung des Tarifvertragssystems genannt werden. Der Tarifvorbehalt bei der Arbeitszeitflexibilisierung untergräbt für sie den von der Bundesregierung gegenüber der Wirtschaft versprochenen Erneuerungskurs massiv und stellt auch einen eindeuti-gen Bruch mit dem Koalitionsvertrag dar. Der Tarifvorbehalt dürfe sich unter keinen Umständen durchsetzen.
Mit der Ankündigung eines digitalen Zugangsrechts für Gewerkschaften setzt die Bundesregierung ihren Kurs zusätzlicher Regulierung fort. Dafür bestehe kein Bedarf, so Brossard: Das Bundesarbeitsgericht habe festgestellt, dass Gewerkschaften bereits nach geltendem Recht ausreichende Möglichkeiten an Kommunikationswegen haben.
Im Übrigen bestehe kein Automatismus, dass die Beschäftigten außerhalb eines Flächentarifvertrags schlechte Arbeitsbedingungen haben. Flächentarifvertragliche Regelungen als Leitbedingungen einer Branche strahlen auch hier aus. Weder würden mit dem Aktionsplan Tarifverhandlungen gefördert noch die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts gestärkt, so Brossardt.
Das Bundeskabinett hat den Plan am 22. Juli 2026 verabschiedet. Hintergrund ist die EU-Mindestlohn-Richtlinie. Diese verpflichtet alle Mitgliedstaaten mit einer Tarifbindung von unter 80 Prozent dazu, einen solchen Aktionsplan vorzulegen. Deutschland liegt aktuell bei rund 49 Prozent.
(Quelle: BMAS, 22.072026; vbm, PM 23.07.2026)
V. Sonstiges
Aufruf zur Beteiligung an einer Umfrage: Wie gehen Lokalmedien mit Veranstaltungsdaten um?
Terminkalender gehören zu den meistgenutzten Angeboten im Lokalen, und verschwinden doch immer öfter von den Portalen. David Ruf, Gründer des Berliner Stadtteilmagazins moazin, untersucht in seiner Masterarbeit an der Universität Potsdam (Medienrecht und Management, EPI Institut), wie Lokalmedien Veranstaltungsdaten sammeln und pflegen, was das kostet und woran Kalender schei-tern. Gesucht sind Lokalredakteurinnen und -redakteure, Herausgeber und Verlage.
Die Teilnahme dauert ca. 10 Minuten: https://www.soscisurvey.de/allmende-gut_veranstaltungsdaten/?r=vbzv
Die Ergebnisse werden mit den an der Umfrage Teilnehmenden geteilt.
(Quelle: Anfrage D. Ruf, 24.07.2026)