VBZV-Newsletter 06/2026

I. Aus den Verlagen

Trendumfrage 2026: Digitaler Umsatz wächst zweistellig 

Einen umfassenden Einblick in die zentralen Entwicklungen und Herausforderungen der Zeitungs- und Digitalverlage in Deutschland bietet die gestern, am 18. Februar 2026 in Berlin vorgestellte Trendumfrage 2026 unseres Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) und dem Beratungsunternehmen Highberg (Hamburg). Sie wurde zum zwölften Mal durchgeführt. 

Zwei Drittel der Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer blicken zum Jahreswechsel 2025/26 optimistisch auf die Branchenentwicklung. 56 Prozent der Verlage fühlen sich gut auf die digitale Transformation vorbereitet. Dabei rechnen die Unternehmen erneut mit einem zweistelligen Wachstum im Digitalbereich und dies sowohl bei Abonnements wie auch bei Vertriebs- und Werbeerlösen. Hingegen zeigt sich in Print eine fortschreitende Degression. Einzelne Verlage können mit ihrem Digitalgeschäft bereits ihre gesamten redaktionellen Kosten decken. 
 
Die Ergebnisse der Umfrage zeigen drei dominierende Themen für 2026:

1.    Print: ‚Softlanding‘ als Fundament der Zukunftsstrategie

  • Print bleibt, aber nicht für immer: Rund 60 Prozent der befragten Unternehmen erwarten das Ende der gedruckten Zeitung innerhalb der nächsten 15 Jahre.
  • Die Kosten für Zustellung und Druck/Papier werden stetig steigen. Zugleich wollen die Verlage an der Qualität der Produkte ausdrücklich festhalten. Es sollen weder redaktionelle Produkte eingestellt, noch Erscheinungstage oder die Zustellqualität reduziert werden. 

2.    Konsolidierung und Zusammenarbeit

  • Der Konsolidierungsdruck nimmt zu. Es gibt eine Bewegung in Richtung weniger großer Gruppen.
  • Parallel dazu sichern sich kleinere und mittlere Häuser ihre Eigenständigkeit durch kooperative Maßnahmen etwa bei der Infrastruktur, um Skaleneffekte zu heben.

3.    Künstliche Intelligenz als Effizienzhebel

  • 97 Prozent der Verlage glauben, dass KI positive Effekte für das Unternehmen erzielen kann (etwa Effizienz, Qualitätssteigerung, Kosteneinsparung).
  • KI verändert zuerst die redaktionelle Wertschöpfung; hier ist die größte Relevanz.
  • Jeweils rund 60 bis 80 Prozent der befragten Unternehmen rechnen in Redaktion, Lesermarkt, Werbemarkt und Verwaltung mit Einsparungen von bis zu zehn Prozent. 
  • Einsparungen über zehn Prozent werden zwar hier und da erwartet, bleiben aber klar die Minderheit.
  • Aufgrund der Macht der Plattformen und neuer KI-Tools wird mit deutlichen Reichweiteneffekten für die Verlage gerechnet. Gut 45 Prozent der Befragten geben an, stark oder existenziell von dem mithilfe von Big Tech generierten Traffic und den daraus resultierenden Erlösen abhängig zu sein.

Die größten Chancen liegen laut Trendstudie in: Wachstum durch digitale Abonnement-Erlöse bei E-Paper (77 Prozent), Effizienzkostenoptimierung durch KI (52 Prozent) und Wachstum durch digitale Abonnement-Erlöse bei Plus-Angeboten (51 Prozent).

Die größten Risiken werden gesehen bei den Themen: Mindestlohn (54 Prozent), stärkerer Rückgang der Print-Vertriebserlöse (42 Prozent) und Rückgang des Werbemarkts (65 Prozent).

„Die Trendumfrage zeigt eine klare Differenzierung: Regulierung wird positiv bewertet, wo sie Wettbewerbsasymmetrien gegenüber großen Plattformen abbaut. Kritisch hingegen wird sie gesehen, wenn sie bestehende Erlösmodelle – etwa im Werbemarkt – direkt schwächt. Die Branche lehnt Regulierung also nicht grundsätzlich ab. vielmehr erwartet sie wirksame und faire Regeln, die einen funktionierenden Markt sichern, statt ihn zu stören“ fasste BDZV-Hauptgeschäftsführer Dr. Jörg Eggers den Kern der Umfrageergebnisse zusammen.

(Quelle: BDZV, 19.02.2026)

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Neuer Titel auf dem Markt: Ostdeutsche Allgemeine startet am 20. Februar 

Der Berliner Verleger Holger Friedrich will am 20. Februar die erste Ostdeutsche Allgemeine Zeitung (OAZ) auf den Markt bringen. Die Zeitung erscheint im neu gegründeten Ostdeutschen Verlag mit Sitz in Dresden. Der Ostdeutsche Verlag gehört wie der Berliner Verlag zur Ostdeutschen Medienholding GmbH. 

Dorian Baganz, zuvor beim Wochenblatt Der Freitag, übernimmt die Chefredaktion. Ziel ist, ein neues "Leitmedium in Ostdeutschland" zu schaffen.

Wie der Branchendienst Horizont und berichtet, wird die OAZ als Webportal starten, perspektivisch ergänzt um ein werktägliches E-Paper, sowie als freitägliche gedruckte Wochenzeitung. Gedruckt wird bei der DDV-Gruppe/Madsack, mit einer anfänglichen Auflage von mindestens 40.000 Exemplaren, die überwiegend in Ostdeutschland, zu einem kleineren Teil auch im Westen distribuiert werden.

Der Copypreis für die Printausgabe liegt bei 3,90 Euro. Das Digitalabo kostet 12 Euro im Monat. Für 15 Euro erhalten Abonnenten zusätzlich Zugang zur digitalen "Berliner Zeitung". Dem Vernehmen nach soll sich das Projekt ab rund 5.000 Digitalabos pro ostdeutschem Bundesland wirtschaftlich tragen, also bei etwa 25.000 Abonnements insgesamt. Für die Vermarktung arbeitet der Verlag im nationalen Geschäft wohl mit fünf Generalvertretern zusammen. Eine Print-Anzeigenseite kostet laut Preisliste 9.000 Euro. Digital kooperiert die OAZ mit der Plattform Factor Eleven für regional aussteuerbare Werbung.

Mitbewerber sind Funke und Madsack, die mit ihren in Ostdeutschland verbreiteten Zeitungen wie "Thüringer Allgemeine" oder "Leipziger Volkszeitung", "Ostsee-Zeitung" und "Märkische Allgemeine Zeitung" die bisher eher auf klassische Lokalberichterstattung setzten. Betroffen wird auch der zur Verlagsgruppe HCSB gehörende Titel „Freies Wort“ in Suhl sein. 

Der ursprüngliche Plan von Holger Friedrich mit Regionalausgaben in allen 14 ehemaligen Bezirkshauptstädten der DDR von Rostock bis Suhl, wird wohl zumindest zunächst nicht weiter umgesetzt.

(Quelle: horizont.net, 12.02.2026; journalist.de, 16.02.2026; meedia.de, 12.02.2026)
 

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II. Medienpolitik

Europäische Verlegervereiningung reicht Beschwerde gegen Google ein 

Der European Publishers Council (EPC) hat eine formelle Beschwerde bei der Europäischen Kommission eingereicht und wirft Google LLC und Alphabet Inc. vor, ihre dominante Stellung im Bereich allgemeiner Suchdienste durch die Einführung von AI Overviews und AI Mode in Google Search zu missbrauchen.

Diese Beschwerde ergänzt die eigene Durchsetzungsmaßnahme der Kommission vom 9. Dezember 2025. Die Kommission prüft, ob Google EU-Wettbewerbsregeln verletzt, indem es Inhalte von Web-Veröffentlichern und YouTube für KI-Zwecke nutzt – eine Untersuchung, die der EPC begrüßt.

Der EPC fordert von der EU-Kommission Maßnahmen, die Verlagen eine wirksame Kontrolle über die Nutzung ihrer Inhalte durch KI geben. Zudem verlangt der Verband mehr Transparenz über die Verwendung der Inhalte sowie ein faires Lizenz- und Vergütungssystem. Google verwendet journalistische Inhalte von Verlagen, um seine KI zu trainieren und Antworten in Suchergebnissen zu generieren. Dies geschehe ohne ausdrückliche Zustimmung, ohne wirksame Opt-out-Möglichkeit und ohne angemessene Vergütung. Die KI-Zusammenfassungen erscheinen direkt oben auf der Suchseite, wodurch der Traffic auf Nachrichten-Websites sinkt. In der Folge gingen zwangsläufig die Werbeeinnahmen der Verlage zurück, was ihrem Geschäftsmodell massiven Schaden zufügt. Es sei absehbar, dass kleinere Verlage zum Marktaustritt gezwungen würden. Die daraus resultierende Informationsvielfalt sei nicht mit dem European Democracy Shield vereinbar.

(Quelle: epceurope.eu, 10.02.2026)

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EU untersucht Googles Werbepreise

Die EU-Kommission prüft, ob Google die Preise für Onlinewerbung in der Google-Suche künstlich erhöht hat. Dies geht aus einem Schreiben an Werbekunden hervor, das Reuters vorliegt. Eine formelle Untersuchung läuft bisher nicht.

Im Mittelpunkt stehen Auktionen für Suchanzeigen. Das Schreiben legt nahe, dass Google die Preise dieser Auktionen zum Nachteil der Werbetreibenden manipuliert haben könnte. Ein Sprecher der EU-Kommission sagte, man beobachte mögliche wettbewerbswidrige Praktiken, wollte aber keine weiteren Details nennen. 

Google wies die Vorwürfe zurück. Ein Sprecher erklärte, die Anzeigenpreise entstünden durch Echtzeit-Auktionen, die darauf abzielen, Nutzern die relevantesten Anzeigen zu präsentieren. Dabei zählten der Wettbewerb unter den Werbetreibenden und die Qualität der Anzeige. 

Google dominiert den Markt für Onlinewerbung und erhielt in der EU bereits mehrfach hohe Geldstrafen wegen Wettbewerbsverstößen. Auch das US-Justizministerium beschuldigt Google, Online-Auktionen manipuliert zu haben. Bloomberg berichtete zuerst über die mögliche Prüfung durch die EU.

(Quelle: bdzv.de, 17.02.2026)

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