VBZV-Jahrestagung in Bamberg am 19. und 20. April
“Verlage haben Finanzkrise gut überstanden"
Andreas Scherer: Wir können mit Zuversicht in die Zukunft schauen
Die Mediengruppe Oberfranken hatte zur VBZV-Jahrestagung am 19./ 20. April 2010 nach Bamberg eingeladen. Über 100 Gäste aus den Bereichen Medien, Politik, Wirtschaft, Kultur und Kirche waren dem Ruf gefolgt.
Die bayerischen Zeitungsverleger können und sollten mit Zuversicht in die Zukunft schauen, sagte Andreas Scherer, der Erste Vorsitzende des Verbandes Bayerischer Zeitungsverleger in seiner Begrüßungsansprache. Er wies darauf hin, dass die Verlagshäuser im Freistaat die internationale Finanzkrise bemerkenswert gut überstanden hätten: "Sie war nicht der befürchtete Tsunami. Wir haben eine heftige Welle auf uns zukommen sehen und sie hat deutliche Spuren hinterlassen. Aber wir befinden uns auf festem Boden."
Im Internet-Bereich machte sich Scherer für ein Ende der Gratis-Mentalität stark: Null als Preis für Qualitätsinhalte könnten sich die Verleger auf Dauer nicht leisten.
Nachdrücklich warnte Scherer vor der Regulierungs- und Datensammelwut der Politik. Wer das Geschäftsmodell der Zeitungshäuser durch kleinliche Vorschriften und Verbote weiter einenge, höhle die Pressefreiheit und damit eine wichtige Säule unserer Demokratie aus.
Er stellte aber auch wichtige Siege auf diesem Gebiet heraus. So sei er froh darüber, dass das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe die Neuregelung zur Vorratsdatenspeicherung "kassiert hat". Damit sei der Informanten- und Quellenschutz deutlich gestärkt worden. Scherer: "Wo wären wir ohne unsere Verfassungsrichter." Die Pressefreiheit zu sichern sei eine der wichtigsten Aufgaben der Verleger und ihres Verbandes, vom Widerstand gegen die Vorratsdatenspeicherung bis hin zum Kampf gegen allzu bevormundende Werbeverbote.
Auch im Bereich der Werbeverbote meldete Scherer einen "wichtigen Erfolg": Ein Werbeverbot für alkoholische Getränke hätte auch "das bayrische Grundnahrungsmittel Bier" und eine Vielzahl kleiner und mittelständischer Privatbrauereien betroffen, sagte Scherer. Dies sei nun abgewehrt. Es habe aber der gemeinsamen Anstrengung mehrerer Wirtschaftsverbände bedurft, um die damalige Drogenbeauftragte, Sabine Bätzing, von diesem Vorhaben abzubringen.
Schließlich wies Scherer darauf hin, wie wichtig es für die Zukunft sei, die Jugend an die Medien heranzuführen. Der vor kurzem eingeführte Medienführerschein solle den Kindern helfen, ihren Weg durch die Medienvielfalt zu finden, ohne dass sie zu Schaden kommen. In vielen bayerischen Schulklassen gehöre der Medienführerschein bereits erfolgreich zum Unterrichtsprogramm: "Eine gute Sache für die Jugend und für die Medien." Den im Anschluss gezeigten Filmbeitrag des Bayerischen Rundfunks über den Medienführerscheins Presse können Sie sich hier anschauen: Medienführerschein-Presse/Film.
Dr. Rainer Esser, Geschäftsführer der Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“, dem es ungeachtet des vulkan-bedingten Flugverbots doch noch gelungen war,rechtzeitig nach Bamberg zu kommen, hielt die Festansprache zum Thema „Ein Geschäftsmodell im Wandel – zur Zukunft des Qualitätsjournalismus“. „Hohe Qualität ist nicht gottgegeben“, meinte er in seinem Vortrag, launig und mit Anekdoten angefüttert und dennoch entschieden. Zunächst sei die unbedingte Orientierung an den Leserinteressen vonnöten: „Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler.“ Und ständige Verbesserung, Kostenbewusstsein, Innovationen hätten auch andere Branchen lernen müssen. Aber Zeitungen seien nicht nur profane Wirtschaftsunternehmen, „sie machen die Gesellschaft klüger“.
Das Festliche Abendessen auf Einladung der Mediengruppe Oberfranken im „Großen Saal“ des Residenzschlosshotels, das den ersten Tag abschloss, wurde musikalisch untermalt durch das Bläserquintett der Bamberger Symphoniker, sowie Szenen zur, von und über die Zeitung, vorgetragen und gespielt von Künstlern des Brentano-Theater, dem kleinsten Theater Bambergs und einer der kleinsten Bühnen Deutschlands.
VBZV-Mitgliederversammlung
Auf der Mitgliederversammlung des VBZV am folgenden Dienstag, 20. April 2010, gab der Erste Vorsitzende, Andreas Scherer, einen kurzen Jahresrückblick zur Arbeit des VBZV. Geschäftsführer Dr. Markus Rick trug sodann den Geschäftsbericht 2009 vor und verwies im übrigen auf die schriftliche Fassung des Jahresberichts, der allen Mitgliedern vorab zugeleitet worden war. Unter allgemeiner Zustimmung stellte er den Jahresabschluss vor und erläuterte die einzelnen Positionen. Bei Stimmenthaltung der jeweils Betroffenen, im übrigen einstimmig, wurde den Vorsitzenden, dem Vorstand, den Rechnungsprüfern und der Geschäftsstelle Entlastung für das vergangene Geschäftsjahr erteilt und der Jahresabschluss genehmigt. Einstimmig wurde auch dem von der Geschäftsstelle vorgelegten Etatvoranschlag für 2010 bei gleich bleibendem Beitrag zugestimmt.
Leonhard Helmreich, „Der neue Tag“, Weiden, und Dr. Detlef Haaks, „Süddeutsche Zeitung“, München, wurden als Ersatz für German Vogelsang und Dr. Karl Ulrich in den VBZV-Vorstand gewählt. Die Verbands-Mitglieder sprachen den beiden auf eigenen Wunsch ausscheidenden Vorstandsmitgliedern ihren Dank aus, insbesondere German Vogelsang, der 25 Jahre lang im VBZV-Vorstand und als Vertreter des VBZV in vielen anderen Gremien gewirkt hatte.
Heinz Alt, „Trostberger Tagblatt“ stellte gemeinsam mit Herrn Deskowski von der Firma UniPush Media den neuen digitalen Zeitungskiosk „News Push“ für das iPhone vor – und sowohl die Präsentation wie auch die dabei vorgestellten iPads fanden auch danach noch großes Interesse.
Unser abschließender Dank für die gelungene Veranstaltung gilt der Mediengruppe Oberfranken, ihren Geschäftsführern Walter Schweinsberg und Philipp Magnus Froben, dem Herausgeber Dr. Helmuth Jungbauer und den Gesellschaftern des Verlages für die Einladung nach Bamberg und die gezeigte Gastfreundschaft.
Diashow mit Bildern der Jahrestagung in Bamberg


